Arbeiten als Arzt/Ärztin im öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD)

Einleitung

Die wenigsten Ärzte, die im öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) z. B. im Gesundheitsamt (GA) arbeiten, hatten diesen Arbeitsplatz schon während des Studiums im Auge. Dennoch haben bis zu 4000 Ärztinnen und Ärzte ihren Arbeitsplatz im öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD). Für viele angehende Mediziner steht der Aspekt der individuellen Hilfeleistung am Patienten im Vordergrund, im ÖGD steht das Allgemeinwohl an erster Stelle. Bei erfolgreicher Arbeit kommt dies allen Menschen zu Gute. Der folgende Beitrag will über die Voraussetzungen, die Aufgabengebiete, die Vorzüge und die Vorgehensweise bei Interesse informieren.

Voraussetzungen

Das Grundgesetz legt fest, dass das Gesundheitswesen eine gemeinsame Aufgabe von Bund und Ländern ist. Der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) ist die Organisation von Dienststellen auf der Ebene von Bund, Ländern, Kreisen und Gemeinden, die dem Schutz der Gesundheit der Gemeinschaft und des Einzelnen dienen. Die gesetzlichen Grundlagen, nach denen der Öffentliche Gesundheitsdienst tätig wird, sind zwar zum Teil bundeseinheitlich geregelt, wie z.B. das Infektionsschutzgesetz und die Trinkwasserverordnung, einzelne Aufgabengebiete werden aber durch länderspezifische Gesetze und Verordnungen unterschiedlich gewichtet. Dies erklärt auch, warum die Gesundheitsämter in vielen Kommunen unterschiedliche Namen tragen. Auch die Ausgestaltung der Stellen, ob als Beamten- oder Angestelltenpositionen, die Gewährung von Zulagen etc., ist Sache der Länder und der Kommunen.

Aufgabengebiete

Die Gesundheitsämter nehmen schwerpunktmäßig die Aufgaben des Öffentlichen Gesundheitsdienstes wahr. Die Vermeidung von Erkrankungen und die Förderung der Gesundheit gehören zu den originären Arbeitsfeldern des Öffentlichen Gesundheitsdienstes. Er ist für ein weites Themenspektrum zuständig. Die Spannweite ist dabei groß: Gesundheitsförderung, Prävention und Gesundheitsberichterstattung rangieren gleichwertig neben Hygiene, Seuchenbekämpfung, amtsärztlichen Gutachten und jugendärztlichen Aufgaben wie Schuluntersuchungen und Zahngesundheit.
Das Gesundheitsamt bietet somit für Ärzte und Fachärzte verschiedene Aufgabengebiete an:

Die Königsdisziplin im Gesundheitsamt ist die Leitungsaufgabe. In vielen Bundesländern ist zur Leitung des Gesundheitsamtes der Facharzt für den öffentlichen Gesundheitsdienst erforderlich. Derzeit bestehen in Deutschland drei Bildungseinrichtungen (Akademien), in Düsseldorf, Meißen und München, zur Weiterbildung für das Gebiet „Öffentliches Gesundheitswesen“. Dort werden u.a. jährlich ca. 50 bis 60 Ärztinnen und Ärzte für die Tätigkeit im Öffentlichen Gesundheitswesen weitergebildet. Die Prüfung zum/zur Facharzt/ärztin für öffentliches Gesundheitswesen wird vor der jeweiligen Landesärztekammer nach der (Muster-) Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer abgelegt. Die Weiterbildungszeit beträgt
60 Monate bei einem Weiterbildungsbefugten an einer Weiterbildungsstätte:
18 Monate in einer Einrichtung des Öffentlichen Gesundheitswesens, davon
9 Monate an einem Gesundheitsamt.
6 Monate Kurs-Weiterbildung für Öffentliches Gesundheitswesen, an einer Akademie s.o., hierauf können 3 Monate Postgraduierten-Kurs in Public Health angerechnet werden.
36 Monate in Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung, davon 6 Monate in Psychiatrie und Psychotherapie.
Der größte Teil der Ausbildung (3 von 5 Jahren) findet in der unmittelbaren Patientenversorgung statt, so dass der/die ausgebildete Kollege/in auf solide Kenntnisse aus der Praxis aufbauen kann. Dies ist in zweierlei Beziehung wichtig, zum einen ist ein fundiertes fachliches Wissen später in vielen Situationen von großer Hilfe, zum anderen ist die Kenntnis der ärztlichen Lebens-, Arbeits- und Gefühlswelt hilfreich, um die Kollegen in kritischen Situationen angemessen, erfolgreich ansprechen zu können.
In kleineren Gesundheitsämtern werden in der Regel nur eine geringe Zahl von Ärzten für die entsprechenden Aufgaben zur Verfügung stehen, so das in der Urlaubszeit oder im Krankheitsfall die Ärzte nach Einarbeitung auch in Aufgabengebieten gefordert werden können, die nicht zu ihrem Spezialgebieten gehören.

Vorzüge

Die Ausgestaltung der Arbeit ist in den verschiedenen Bereichen des öffentlichen Gesundheitsdienstes sehr unterschiedlich ausgeprägt, weil die jeweiligen Arbeitgeber einen großen Einfluss besitzen. Deshalb fällt es schwer Verallgemeinerungen abzugeben.
Viele Arbeitsbereiche sind planbar und deshalb ist es möglich, die Zeitplanung gut zu gestalten. Das kommt der Arbeitsweise von Ärztinnen und Ärzten entgegen, die Familie und Arbeit in Einklang bringen wollen oder müssen. Teilzeitarbeitsplätze sind üblich.
Der ÖGD ist multiprofessionell besetzt mit Medizinischen Fachangestellten, Hygienekontrolleuren, Sozialarbeitern und Verwaltungskräften. In größeren Fachdiensten arbeiten darüber hinaus Gesundheits- und Krankenpfleger, Biologen, Sozial- und Gesundheitswissenschaftler, Juristen, Pharmazeuten, Psychologen, Epidemiologen, Gesundheitsingenieure und weitere Gesundheitsfachberufe. Dies bedeutet einen interessanten und abwechslungsreichen Erfahrungsaustausch.
Da sich mit kleinen Ausnahmen in jedem Landkreis ein Gesundheitsamt befindet, ist die Chance bei einem Umzug wieder einen nicht allzu weit entfernten Arbeitsplatz zu finden größer als in vielen anderen Bereichen.

Vorgehensweise bei Interesse

Da die Arbeitsverhältnisse in den einzelnen Bereichen des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) so unterschiedlich ausgeprägt sind, wird empfohlen, sich gut zu informieren. Dies ist auch deshalb wichtig, weil ein Neuling im ÖGD in der Regel keine rechte Vorstellung von den Aufgaben haben kann.
Für Ihre fachlichen Fragen und vieles darüber hinaus stehen die Leitungen der Gesundheitsämter zur Verfügung. Aber auch mit den Ärztinnen und Ärzten der jeweiligen Fachgebiete lohnt ein Gespräch. Da sich die Fragestellungen im ÖGD oft stark von denen in Praxis und Klinik unterscheiden, ist es wichtig sich darüber zu informieren und zu besprechen, wie die in der Regel erforderliche Einarbeitung erfolgen soll. Fragen der Besoldung etc. sollten natürlich auch mit der Personalabteilung besprochen werden. Dabei gilt: was man schwarz auf weiß besitzt, hat einen hohen Grad an Verbindlichkeit.